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KATHARINA IN SRI LANKA

Aktualisiert: 4. Feb.


Sechs Monate in Sri Lanka wurden für Katharina zu einer intensiven Lebensschule. Ihr Freiwilligeneinsatz mit Voyage-Partage konfrontierte sie mit Verantwortung, Unsicherheit und tiefen Begegnungen – und veränderte ihren Blick auf sich selbst, auf Gemeinschaft und auf das, was es heisst, wirklich da zu sein.


Fotorecht: Voyage-Partage


Ein Aufbruch nach der Matura

Direkt nach der Matura entschied sich Katharina bewusst gegen den naheliegenden Weg eines Studiums. Stattdessen wollte sie Zeit investieren – in Menschen, in einen Ort, in ein anderes Leben.


Ihr Freiwilligeneinsatz führte sie nach Sri Lanka, in ein ländliches Gebiet im Landesinneren, wo sie sechs Monate lang bei einer katholischen Gemeinschaft mit einem Hostel für Mädchen lebte.


Schon die ersten Wochen machten deutlich: Dieser Einsatz würde kein Beobachten von aussen sein. Katharina tauchte ein in einen Alltag, der von Gebet, Gemeinschaft, klaren Strukturen und zugleich grosser Offenheit geprägt war. Vieles war neu – Sprache, Kultur, Rollenbilder – und das machte es zugleich herausfordernd und spannend.


Leben im Kloster

Katharina lebte mit drei Ordensschwestern, mehreren Mitarbeitenden und zwölf Mädchen im Alter zwischen 11 und 21 Jahren zusammen. Die jungen Frauen besuchten tagsüber die Schule und erhielten im Hostel Unterstützung, Sicherheit und Begleitung. Viele von ihnen lebten dort, weil ihre Mütter im Ausland arbeiteten oder die familiäre Situation keine stabile Betreuung zuliess.


Katharina gab Zusatzunterricht in Englisch und Musik, half im Haushalt, in der Küche, im Garten und war im Alltag der Mädchen präsent. Abende wurden mit Gesprächen, Spielen, Tanzen oder gemeinsamem Kochen verbracht. Dabei ging es weniger um grosse Programme als um Verlässlichkeit – darum, da zu sein, zuzuhören und Beziehung aufzubauen.











Fotorecht: Voyage-Partage


Ein Sprung ins kalte Wasser

Ein Schlüsselmoment ihres Einsatzes kam unerwartet: Für mehrere Tage waren die Schwestern abwesend und Katharina übernahm die Verantwortung für den gesamten Klosterbetrieb. Zu diesem Zeitpunkt sprach sie kaum Tamilisch, kannte viele Abläufe nur oberflächlich und fühlte sich der Aufgabe nicht gewachsen.


Katharina musste Entscheidungen treffen, organisieren, Konflikte auffangen und den Alltag strukturieren – ohne sich hinter Routinen oder klaren Anweisungen verstecken zu können. In dieser Überforderung geschah etwas Entscheidendes: Katharina hörte auf, alles kontrollieren zu wollen. Stattdessen begann sie, Vertrauen zuzulassen – in die Mädchen, in die Gemeinschaft und in sich selbst.


Die Mädchen unterstützten sie, erklärten Abläufe, halfen mit und trugen Verantwortung mit. Katharina erkannte, dass Führung nicht bedeutet, alles zu wissen, sondern präsent zu bleiben, auch wenn man zweifelt. Verantwortung heisst nicht Perfektion, sondern Beziehung.


Was in ihr gewachsen ist

Dieser Freiwilligeneinsatz veränderte Katharina nachhaltig. Sie lernte, Unsicherheit auszuhalten, ohne sich zurückzuziehen. Sie erfuhr, dass Vertrauen entsteht, wenn man sich zeigt – mit Stärken und Grenzen. Die Beziehung der Schwestern zu Gott, die christliche Gemeinschaft und das Mitleben des Glaubens faszinierte und prägte sie. Ihr Glaube vertiefte sich, nicht durch Antworten, sondern durch das Aushalten von Fragen.


Katharina kehrte nicht mit dem Gefühl zurück, alles richtig gemacht zu haben. Aber mit dem Wissen, dass sie Verantwortung tragen kann, dass Gemeinschaft trägt – und dass Wachstum oft genau dort beginnt, wo man bleibt, obwohl es schwierig wird. Und mit dem unglaublichen Gefühl von Dankbarkeit - gegenüber den Menschen, die ihr in Sri Lanka ein zweites Zuhause gegeben haben, den Menschen, die sie in der Schweiz vorbereitet und wieder aufgefangen haben und gegenüber Gott.

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