AARON IN ARGENTINIEN
- Madlen Portmann
- 26. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. Feb.
Aarons Freiwilligeneinsatz mit Voyage-Partage führte ihn mitten hinein in Lebensrealitäten, die ihm zuvor fremd waren. Zwischen Armenviertel und Berufsschule lernte er, dass echte Wirkung nicht aus Aktion entsteht, sondern aus Präsenz, Geduld und ehrlicher Begegnung.

Fotorecht: Voyage-Partage
Zwischen zwei Welten
Aarons Einsatz begann in Isidro Casanova, einem der ärmsten Viertel von Buenos Aires. Hier lebte er mit Männern zusammen, die durch Drogen, Armut oder Brüche in ihrer Biografie den Anschluss an ein geregeltes Leben verloren hatten. Sein Alltag war weniger von klaren Aufgaben geprägt als von gemeinsamem Leben: zusammen essen, zuhören, kleine handwerkliche Arbeiten erledigen, Zeit teilen.
Später wechselte Aaron nach Salta im Norden Argentiniens. Die dortige Don Bosco Berufsschule unterstützt Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem beruflichen Weg. Zwei Einsatzorte, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch verbunden durch dieselbe Frage: Was bedeutet es, Menschen wirklich zu begleiten?
Präsenz statt Lösungen
In Isidro Casanova lernte Aaron schnell, dass er nichts „reparieren“ konnte. Viele der Männer hatten bereits zahlreiche Hilfsangebote erlebt. Was ihnen fehlte, war kein Programm, sondern jemand, der blieb. Gespräche entstanden oft beiläufig, manchmal erst nach Tagen des Schweigens.
Aaron merkte, wie schwer es ihm anfangs fiel, nichts tun zu müssen. Nicht eingreifen, nicht verbessern, nicht retten. Mit der Zeit verstand er: Genau dieses Aushalten, dieses Dableiben, war seine Aufgabe.

Fotorecht: Voyage-Partage
Arbeiten mit Perspektive
In Salta veränderte sich sein Alltag. Aaron unterstützte den praktischen Unterricht in der Berufsausbildung, insbesondere im Sanitärbereich. Die Lernenden kamen aus sehr einfachen Verhältnissen und beeindruckten ihn durch ihren Wissensdurst und ihren Willen, sich eine Zukunft aufzubauen.
Aaron erlebte, wie viel es bedeutet, ernst genommen zu werden. Für viele der Jugendlichen war die Berufsschule eine der wenigen Chancen, eine Perspektive jenseits von Gelegenheitsjobs zu entwickeln.
Was in ihm gewachsen ist
Der Freiwilligeneinsatz veränderte Aarons Verständnis von Engagement grundlegend. Er lernte, dass Hilfe nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. Dass Beziehung wichtiger ist als Effizienz. Und dass echte Begegnung dort entsteht, wo man bereit ist, sich selbst zurückzunehmen.
Aaron kehrte mit weniger Antworten, aber mit einer klareren Haltung zurück: präsent sein, zuhören und bleiben – auch wenn es unbequem wird.



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